

Schwere Zeiten
für chronisch Kranke
Jeder hat vermutlich einen Selbständigen oder Freiberufler im Bekanntenkreis. Sei es ein Rechtsanwalt, Grafiker, Steuerberater, Architekt, Arzt oder Journalist. Nun stellt Euch Euren Bekannten vor, wie er sich glücklich und zufrieden nach Eurem letzten gemeinsamen Abendessen verabschiedet hat. Da ahnte er offenbar noch nicht, was ihm ab Januar gesetzestechnisch blüht...
Denn dann hätte er weniger freundlich dreingeblickt und vermutlich eine Litanei von Unflätigkeiten ausgestoßen. Sein Adressat wäre Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt – je nach Perspektive die Hüterin oder Totengräberin des uns bekannten Gesundheitswesens – und Haupt-Verantwortliche für die dann in Kraft tretende nächste Stufe der Gesundheitsreform. Wobei „Reform“ mal wieder dafür steht, dass wir alle mehr zahlen dürfen für weniger Leistung.
Dass dann für die große Mehrheit der Versicherungsbeitrag deutlich ansteigt, hat sich ja bereits rumgesprochen. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass ab Januar 2009 der Krankentagegeldanspruch für freiwillig gesetzlich versicherte Selbständige wegfällt. Zwar können Krankenkassen dieser Personengruppe einen Zusatztarif anbieten, werden sich den jedoch gut und teuer bezahlen lassen. Betroffen sind unter anderem Künstler, Journalisten, Rechtsanwälte und - Ironie des Schicksals - auch Ärzte.
Reden wir nicht um den heißen Brei herum: Dies ist ein Skandal! Seit den leidvollen Erfahrungen der Weimarer Republik gab es in Deutschland einen breiten gesellschaftlichen Konsens, dass die drei großen Risiken Altersarmut, Arbeitslosigkeit und Krankheit vom Staat abgesichert werden müssen. Im Falle krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit – gerade bei chronisch Kranken, wie HIV-Positiven, enorm wichtig – bedeutet dies in Ermangelung von Lohnfortzahlung durch den nicht vorhandenen Arbeitgeber, eine Basissicherung des täglichen Bedarfs durch Krankentagegeld. Tja. War einmal.
Pünktlich zum Welt-AIDS-Tag wird solchen – eh vom Schicksal gebeutelten Menschen – eine weitere Bürde auferlegt. Statt sich darauf konzentrieren zu können, wieder gesund zu werden, müssen sie sich nun Sorgen machen, ob sie Miete, Strom und Heizung bezahlen können.
Einen heißen Herbst mit lautstarken Protesten von Betroffenen können wir Frau Schmidt ja nun nicht mehr wünschen. Warme Weihnachten gönnen wir ihr aber auch nicht!
Von MARC KERSTEN























