

GRÜNER WIRD‘S NICHT!
… oder warum guter Konsum so anziehend ist
Schluss mit den ranzigen Vorurteilen: Wer bei Bio-Kleidung automatisch an
Kartoffelsäcke denkt, ist schon lange nicht mehr up-to-date. Die Auswahl an
ethischer Kleidung ist abwechslungsreich wie das Leben. Neben den legeren
Basics für den Alltag gibt es mittlerweile rockige Shirts zum Waven und Boarden
sowie eine Fülle an Outfits für einen stilsicheren Szeneabend. Das Problem:
Woher bekommt man das geile Zeug?
Klamotten kaufen ist für viele ein himmlischer Zeitvertreib. Nicht selten schaltet
das Gehirn beim Stöbern durch die Geschäfte irgendwann ab und man
lässt sich von Schnitten und Farben berauschen. Gerne würden viele von uns
die Welt durch ihre Kaufentscheidungen ein Stück weit verbessern, wenn das
Ganze nicht so schrecklich verkopft erscheinen würde. Wie unterscheidet man
Biobaumwolle von Baumwolle, und was bedeutet eigentlich „fair“ produziert?
Konsumenten, die mit ihrer Produktauswahl gezielt Gesundheit und Nachhaltigkeit
fördern wollen, haben mittlerweile sogar einen Namen: LOHAS. Die Abkürzung
steht für "lifestyle of health and sustainability“. Doch keine Angst, es
gibt Menschen und Orte in unserer Nähe, die dieses Dilemma für uns lösen.
Genuss und Gewissen können gemeinsam befriedigt werden.
Jeder sollte einen Hausfreund haben
In Düsseldorf gibt es einen angesagten Shop für Individualisten: Der Hausfreund.
Inhaber Rene Küpper designt, fertigt oder konfektioniert die meisten
seiner Artikel selbst. Mit viel Zeit, Mühe und Liebe produziert er seine Outfits,
die größtenteils mit einer Schablonentechnik von Hand bedruckt werden.
Die kleinen Variationen, die so beim Druckergebnis auftreten, nimmt er gerne
in Kauf. Gerade das macht den ganz persönlichen Hausfreund-Charakter aus.
Seine Kunden wissen das zu schätzen. „Ich möchte mich bewusst von den Massenprodukten
‚Made in China‘ abheben“, erklärt Rene. „Ich produziere bewusst
in Deutschland und beziehe meine Rohmaterialien ebenfalls aus Deutschland
oder dem europäischen Ausland.“ Seine Stoffe und Artikel kommen alle aus
Fairtrade-Betrieben, die internationalen Standardansprüchen gerecht werden.
In seinem früheren Leben arbeitete Rene für diverse Werbeagenturen im
Bereich TV-Produktion. Nach sechs Jahren wagte er das Experiment Selbstständigkeit.
Sein erstes Model war sein damaliger Freund, der ihm in der Anfangsphase
unter die Arme gegriffen hat. Rene: „Meine Motive waren früher
viel schwuler, das ist heute subtiler geworden. Zu der Zeit habe ich zum Beispiel
auch das Thekenpersonal des Gay Happenings mit meinen Shirts ausgestattet.“
Eines stand für Rene von Anfang an fest: keine Zusammenarbeit mit
stressigen Leuten. „Ich will ein gutes Gefühl haben bei meiner Arbeit. In der
Werbung denkt keine Sau darüber nach, ob Dinge echt oder gefakt sind, ob
gelogen wird oder nicht. Wahrscheinlich entstand aus diesen Erfahrungen mein
Laden, als Negation sozusagen.“
Die ticken noch ganz richtigJeder sollte einen Hausfreund haben
In Bielefeld gibt es ebenfalls eine charmante Einkaufsalternative. Der Laden
von Thorsten Lehmkühler nennt sich treffenderweise Fairticken und erfreut
sich seit Oktober 2008 stetig wachsender Beliebtheit. „Ein Schlüsselerlebnis
war für mich der Film China Blue, in dem es um Arbeiterinnen in einer
chinesischen Jeans-Fabrik geht. Solche Arbeitsplätze sind mit menschenverachtender
Ausbeute gleichzusetzen“, sagt Fairticken Inhaber Thorsten. Der
„ökologische Fußabdruck“ ist ein Bild, das für unseren Ressourcenverbrauch
steht. Der Fußabdruck entspricht der Fläche auf der Erde, die notwendig ist,
um den Lebensstil eines Menschen dauerhaft zu ermöglichen. Konsumenten
vergrößern ihren ökologischen Fußabdruck durch den Kauf von herkömmlichen
Textilien unverhältnismäßig. „Selbst stricken oder nackt rumlaufen sind keine
Alternativen, andere gab es nicht in Bielefeld. Also habe ich eine geschaffen.“
Eine angemessene Bezahlung und die Einhaltung von Arbeitsrechten sind
wichtiger Bestandteil von „fair“ gehandelter Kleidung. Durch feste Abnahmeverträge
wird die Lebensgrundlage von Bauern und ihrer Familien in „Entwicklungsländern“
auch bei Ernteausfällen gesichert. Gerade in der globalen
Textilindustrie ist das leider noch lange keine Selbstverständlichkeit. Das erklärte
Ziel: Nur solche Dinge zu verkaufen, bei denen der Rest der Welt nicht
leidet, sondern profitiert. Erfreulicherweise stimmen trotz allem die Preise.
„Die Labels verzichten auf teure Werbung“, fügt Thorsten hinzu, der auch das
aktuelle Covermodel Sascha ausgestattet hat. „Dieser Preisvorteil kommt den
Kunden zugute. Nicht der Name wird bezahlt, sondern das Produkt!“ Tipp am
Rande: Bei Thorsten gibt es für das „beste Stück des Mannes“ eine Reihe
attraktiver Unterwäsche. Gerade drunter fühlt sich Biobaumwolle besonders
angenehm an.
Eco Boardwear
Vom Brett zum Shirt: Sunimar wurde 2007 gegründet und ist die erste
bio-faire Brand Deutschlands, die ihre Wurzeln im Surf-, Skate- und Snowboardsport
hat. Das spiegelt sich auch in den Shirt-Motiven wieder. Die
Beweggründe liegen auf der Hand: Freiluftsport und Umweltbewusstsein
gehören einfach zusammen. „Leider ist vielen Leuten gar nicht klar, wie viel
Chemie in einem handelsüblichen T-Shirt steckt“, erklärt der Düsseldorfer
Gründer Marco Homberg, „ich hoffe, ich kann mit meinem Label ein wenig
Aufklärung betreiben und Alternativen anbieten.“ Darüber hinaus ist dem
Düsseldorfer Gründer Marco Homberg auch die soziale Komponente wichtig:
„Nur weil dieses Thema der überwiegenden Mehrheit – und hier sind
Modeproduzenten wie Konsumenten gemeint – am Arsch vorbei geht, heißt
das ja nicht, dass wir es nicht anders machen können.“ Ein weiterer netter
Nebeneffekt ist die Tatsache, dass Marcos Shirts in vergleichbar geringer
Stückzahl produziert werden. Das peinliche Erlebnis, wenn man merkt, dass
jemand auf der Party das gleiche Shirt trägt, ist somit so gut wie ausgeschlossen.
Übrigens, für alle, die mal was Neues ausprobieren wollen: In
seinem Online-Shop findet man auch Kondome aus fair gehandeltem Latex.
Auf der grünen Wiese
gruene wiese ist Münsters Laden für stylische, öko-faire Kleidung. Lars Wittenbrink
und Simone Pleus sind definitiv vom Fach. Schon im Studium haben
sich die beiden mit den sozialen und ökologischen Produktionsbedingungen der
Bekleidungsindustrie beschäftigt. Danach war ihnen der Spaß an der Mode
erst einmal vergangen. Trotzdem ließ sie das Thema nicht los. Angebote junger
Brands, die es von Grund auf anders machen, fanden sie vor allem im Internet
und die Klamotten sahen sogar richtig gut aus. Es fehlten jedoch die Shops in
der Nähe, um die feinen Sachen auch kaufen zu können. Das sollte sich ändern.
Unterstützt von einem queer-aktiven Münsteraner eröffneten Simone und
Lars Münsters ersten „eco-fair urban wear“-Shop. „Wir haben Deutschlands
größte Verkaufsfläche und Auswahl an öko-fairer Streetwear“, sagt Lars stolz.
„Es gibt einige standardisierte Gütesiegel, auf die sich der Kunde verlassen
kann. Wir stehen ständig in Kontakt mit den Herstellern. Stellt sich im Nachhinein
heraus, dass ein Anbieter falsche Angaben gemacht hat, dann fliegt er aus
dem Sortiment. Das ist aber bis dato erfreulicherweise noch nicht passiert.“
Bei Lars und Simone kann man also getrost das kaufen, was einem spontan
gefällt und hinterlässt so garantiert einen nachhaltigen Eindruck. [jb]























