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Kommentare
Gabbing about: Bärbel vom Birmingham Pub
da muss ich bärbel absolut recht ...
Hier laufen die Täter
"ich wurde selbst schon opfer von langjä ...
Hier laufen die Täter
sorry raffigayte aber ich äffe nicht irgendein ...
Hier laufen die Täter
an den Herrn Barmbeker, in der Tat ...
Hier laufen die Täter
afghanistan meinte ich..-d
exit.publigayte.com > City > News >

6.12.09 / 13:16

Foto: © Kaarsten (Fotolia.com)

Nackt im Netz

Jenseits der Privatsphäre: Internetbenutzer zeigen sich auf Facebook,
Gayromeo & Co. oft von ihren persönlichsten Seiten. Ohne zu wissen, wer alles mitlesen und ihnen schaden könnte...



GeilerHengstXXLDUS mag es am liebsten richtig schön versaut und ohne großes Gelaber. Kurz chatten, Fakten und Fotos vergleichen und dann sofort ein heißes Sexdate. Ohne Poppers läuft nichts, Drogen dürfen gern mal dabei sein. Wenn es dirty wird, umso besser, und nach Absprache ist manchmal auch unsafer Sex drin. So hat er es in seinem Profil stehen. Tim Veith arbeitet für eine bekannte Werbeagentur. Nachdem er mittlerweile gut verdient, will er zu einer privaten Krankenversicherung wechseln. Doch das stellt sich als schwieriger heraus, als er es sich gedacht hat, denn reihenweise
wird seine Aufnahme abgelehnt.

Dies geschieht höflich, aus den verschiedensten Gründen heraus, aber vor allem auffällig oft. Wahrscheinlich hätte es Tim Veith schockiert zu erfahren, dass der Hauptgrund für seine Ablehnung im abwechslungsreichen Nachtleben von GeilerHengstXXLDUS begründet ist – Tims Pseudonym im Chat. Denn alle offenherzigen Details seines Profils, auf dessen Anonymität er sich verlassen hatte, liegen der Krankenversicherung vor. Dies führt zu seiner Einstufung als Mitglied einer Risikogruppe: Als sexuell vielseitig aktiver Homosexueller mit einer erhöhten Gefahr der Infektion mit HIV oder Geschlechtskrankheiten.



Dies könnte sich schlimmstenfalls zu einem gigantischen Kostenfaktor ausweiten, den sich keine Krankenkasse freiwillig aufbürden würde. Daher: Ablehnung.

Doch wie gelangen private Krankenversicherungen an derart sensible Daten? „Sehr einfach“, erklärt Christian Brozka, der als Internetexperte genau solche Daten für große Firme recherchiert. „Firmen haben bei potenziellen Geschäftspartnern oder neuen Bewerbern großes Interesse, im Vorfeld so viele Informationen wie möglich zu erhalten.“ Und das ist eine leichte Aufgabe.



„Was einmal ins Internet gestellt wurde, kann auch wieder gefunden werden.“ „Die Leichtfertigkeit, mit der schwule Männer die intimsten Details ihres Lebens ins Internet stellen, ist groß“, kommentiert Karl Lemme von der Deutschen AIDS-Hilfe. Vorrangig beschäftigen ihn die Folgen, die es für HIVpositive Männer haben kann, wenn ihre Daten im Internet ausspioniert werden. Aber, so warnt er, die negativen Folgen können jeden betreffen. „Die meisten glauben immer noch an die Anonymität des Internets. Aber dieses Gefühl trügt. Man muss sich bewusst sein: Was einmal drin ist, bleibt auch drin.“



Dies bestätigt auch der Berliner Internetexperte Marco Stahl. Im Rahmen einer Präsentation stellt der EXIT vor, wie einfach selbst für den unerfahrenen Netzbenutzer Daten über eine Person zu finden sind. „Viele Schwule sind in einem sozialen Netzwerk wie Facebook oder StudiVZ registriert. Nach den regulären Einstellungen von Facebook sind fürs Erste nicht allzu viele Informationen zu erkennen.



Bei StudiVZ sieht es da schon anders aus.“ Tatsächlich präsentiert sich dem Betrachter bei einer spontan ausgewählten Beispielperson eine große Zahl an Informationen. StudiVZ gibt bereits in den Grundeinstellungen sehr viele Informationen preis So zeigt ein Blick auf die Gruppen, denen sich die Beispielperson angeschlossen hat, dass er Raucher, FDP-Wähler und schwul ist. Auch findet sich ein in Babysprache verpackter Gruß an seine Lieblingsschwestern“. Ob diese Informationen auch für die Augen eines potenziellen neuen Arbeitgebers beabsichtigt waren, ist fraglich. „Und der neue Arbeitgeber wird sie sehen. Heutzutage wird jeder Bewerber mindestens auf solche Art und Weise durchleuchtet. Diese Angaben liegen ja praktisch für jeden, der sie sehen will, offen im Netz herum“, erklärt Marco Stahl. „Die Benutzer sozialer Netzwerke haben meistens keine Ahnung,
wer alles Einblick in ihre Daten nimmt.“



Doch allein mit solch oberflächlichen Methoden begnügen sich die Datensammler im Internet nicht. Einzelne Programme, sogenannte Crawler, können innerhalb von Minuten die kompletten Informationen mehrerer Hundert Profile auf StudiVZ oder Facebook auslesen, inklusiver aller Beiträge, die von Benutzern eingestellt wurden. Hierfür interessieren sich nicht nur künftige Chefs oder Krankenversicherungen. Vor allem die Industrie ist immer auf der Suche nach Möglichkeiten, Werbung zielgerecht einsetzen zu können.
 
Das Konzept dürfte jedem Benutzer von Facebook bereits bekannt sein: Wer häufiger in Beiträgen über das letzte beglückende Klamottenshopping schreibt, dürfte bald beobachten können, dass
die dezenten Werbeeinblendungen sich immer mehr markengerecht dem eigenen Einkaufsgeschmack
anpassen.



Wie sicher sind Daten auf Gayromeo? Sind einmal Information über die sozialen Netzwerke gesammelt, ist es ein Leichtes, über Angaben wie Größe, Gewicht, Wohnort und gleiche Fotos die gewünschte Person in Portalen wie Gayromeo aufzufinden. Jeder, der seine intimen Informationen und detailgetreuen Fotos hinter Chatpseudonym und Passwort gesichert glaubte, wird von der Realität ernüchtert werden. „Es gibt immer wieder Sicherheitslücken, die von Programmen genutzt werden“, erläutert Marco Stahl. „Natürlich versuchen die Anbieter, diese Schwächen zu beseitigen, aber das dauert meistens bis zu zwei Wochen. Solange kann man mit diesen Programmen einfach auf die Profile aller User, inklusive aller Bilder, Texte und Kontakte zugreifen, ohne das Passwort überhaupt eingeben zu müssen.“

Der beste Schutz: Alle Informationen nur bekannten Personen zugänglich machen Um sich und die persönliche Informationen möglichst gründlich vor Zugriff Unbefugter zu schützen, empfiehlt Marco Stahl klare Maßnahmen.



„Freundschaftsanfragen sollten nur dann angenommen werden, wenn die Person auch tatsächlich persönlich bekannt ist.“ Als Beispiel führt er einen eigenen Versuch an: Er erstellte das Profil einer fiktiven, attraktiven jungen Frau, ausgestattet mit passenden Fotos. Von fünfzig Männern, die von ihm Freundschaftsanfragen erhielten, gingen vierzig auf die Einladung der schönen Unbekannten ein.



Auch die Gewohnheit, gleiche Chatpseudonyme und Passwörter auf verschiedenen Plattformen zu verwenden, erhöht die Gefahr, ausspioniert zu werden. Außerdem sollten Auskünfte zum eigenen
Gesundheitszustand sowie Angaben zum Alkohol-, Tabak- und Drogenkonsum nicht im Internet
nachzulesen sein. Auch bei Nacktfotos kann man nie wissen, unter welchen Umständen man
diese Bilder überraschend wiedersehen könnte. Es könnte auf dem Schreibtisch des Sachbearbeiters einer privaten Krankenkasse sein.



Aber der weiß eine solche Abwechslung vom Alltag ja vielleicht zu schätzen.

[LL]

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